add TALENT Conference 2017
Jun 21 2017

add TALENT Conference 2017

Die add TALENT Conference bietet Studenten und Professionals der Kreativbranche die Möglichkeit, sich bei lockerer Stimmung auf Augenhöhe auszutauschen und Input von Experts zu bekommen. Wir waren vor Ort und berichten euch von unseren Eindrücken.

Die add TALENT Conference fand in der Hochschule der Medien Stuttgart statt und feierte dieses Jahr sozusagen Premiere. Auch wenn die Veranstaltung sowohl für Studenten, als auch für Professionals gedacht war, richtete sie sich doch überwiegend an die Studenten. Diese stellten auch die Mehrheit der Teilnehmer dar. So konnten sie z.B. ihre Kontaktdaten auf leere Visitenkarten schreiben und Professionals oder Experts mit auf den Weg geben. Beide Teilnehmergruppen hatten jedoch gemeinsam, dass sie aktiv in der Kreativbranche mitwirken (werden), sei es im Webdesign, beim Online-Marketing, Videodreh oder unzähligen anderen Bereichen.

Schon vor offiziellem Beginn wurde draußen bei strahlender Sonne und chilliger Musik der ein oder andere Kontakt geknüpft. Dazu konnte man sich noch einen Frozen Yoghurt oder einen kostenlosen Energy Drink gönnen. Durch die free drinks war für das Wohl der Teilnehmer stets gesorgt. In der Pause gab es auch noch Kuchen, der den kleinen Hunger zwischendurch erfolgreich bekämpfte. Für den größeren Hunger gab es gegen einen fairen Preis auch etwas Deftigeres. Großes Lob ans Catering! Weiteres Highlight auf der add TALENT war die Fotobox, in der man Fotos schießen und direkt danach auch mitnehmen konnte.

Neben dem Connecten bildeten die Impulse der Experts den größten Teil der Veranstaltung. Auf slido.com konnten während der Vorträge fleißig Fragen gestellt werden. Die besten wurden im Anschluss von den Rednern beantwortet. Wir zeigen euch jetzt die wichtigsten Erkenntnisse!

Begrüßung

Bevor die eigentlichen Impulse starteten, erinnerte Prof. Dr. Alexander W. Roos, Rektor der HdM, an den War of Talents, der es Arbeitgebern heutzutage schwer macht, geeignete Talente zu finden. Es muss immer mehr geboten werden, um Bewerber anzulocken. Im Gegenzug wird aber von jungen Talenten gefordert, Eigeninitiative und unternehmerisches Denken an den Tag zu legen.

Zudem verändert sich die Kreativbranche ständig, sei es durch neue Technologien oder den Wertewandel bei den Arbeitnehmern. Diese Grundgedanken prägten die Vorträge maßgeblich.

I want to change the world, but I’m only good at Photoshop!

Anne-Sophie Pahl und Marlon Maas haben youvo.org gegründet, um kreative Köpfe mit Non-Profit-Organisationen zu verbinden. Damit bieten sie Kreativen die Möglichkeit, etwas Gutes für die Welt zu tun, indem sie soziale Projekte gemeinnützig unterstützen können. Ganz egal ob durch Plakatentwürfe, Weblayouts, Videoproduktionen oder Programmierung. Nach Angabe der eigenen Kompetenzen werden offene Projekte angezeigt, bei denen kreative Hilfe benötigt wird. Ein toller Weg etwas Soziales zu tun und gleichzeitig sich selbst zu entwickeln und verwirklichen! 

Was die Generation X von den Millenials lernen kann (und worauf sie ganz schön neidisch ist!)

Astrid Caetano, Head of Talent bei Saatchi & Saatchi und Teil der Generation X, zeigte in ihrem Vortrag, was ihre Generation von den jungen Millenials lernen kann - bezogen auf den Arbeitsalltag in der Kreativbranche. Dabei wurde dafür gesorgt, dass sich beide Generationen besser verstehen. 2025 werden 75% der Workforce Millenials sein, was einen Wertewandel nach sich zieht. Früher hatte das Sprichwort “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen” einen viel größeren Stellenwert. Heute möchten Arbeitnehmer pünktlich Feierabend machen und legen mehr Wert auf eine gute Work-Life-Balance. Das Endergebnis ihrer Arbeit steht im Vordergrund und nicht die Arbeitszeit. Auch das Thema Agilität ist für die Generation X schwieriger zu begreifen, während Millenials es für selbstverständlich halten. Hinzu kommt das lebenslange Lernen, ausgelöst durch den ständigen technologischen Fortschritt. Außerdem herrscht in Unternehmen jetzt mehr Transparenz, was man sich damals hätte nicht vorstellen können. Die Vereinbarung von Arbeit und Familie wird immer wichtiger, sowie die Möglichkeit nach flexiblen Arbeitszeitmodellen. Ein humorvoller und dennoch informativer Vortrag!

Achtsamkeit: Die Lösung für ein kreativeres Leben?

Einen etwas anderen Vortrag hörten wir von Dr. Frank Berzbach, Publizist und Autor, unter anderem des Buches “Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen”. Hören trifft es sehr gut, da er der einzige Redner war, der keine Folienpräsentation vorbereitet hatte. Vielmehr erklärte er gemütlich auf einem Sessel was Achtsamkeit ist und vor Allem, was es nicht ist. Achtsamkeit bedeutet nicht, dass man alles ganz langsam und vorsichtig tut. Achtsamkeit bedeutet sich selbst, den eigenen Körper, die eigenen Gedanken und Gefühle, im Hier und Jetzt zu spüren. Wir sind zu sehr damit beschäftigt, an Vergangenes zu denken oder zu planen, was wir beispielsweise am Abend kochen möchten. Achtsamkeit fördert Konzentration und somit auch Kreativität. Eine Möglichkeit achtsam zu werden, ist sich zurückzuziehen und 30 Minuten einfach nichts zu tun. Alleine. Dadurch erreicht man einen Zustand der Geistesgegenwärtigkeit und leert seinen Geist. Und ein leerer Geist ist der Schlüssel zur Kreativität.

Wie kann sich Positive Psychology auf Unternehmenskultur und -leistungen auswirken?

Dr. Nico Rose leitet die Employer Branding und Recruiting Abteilung bei Bertelsmann und bringt mit seinem Vortrag Positive Psychology nach Deutschland. Positive Psychology stellt das Gegenstück zur bisherigen Psychologie dar, wo es meist darum geht, Krankheiten zu bekämpfen. Heute geht es zunehmend darum positive Emotionen zu fördern und zu entwickeln. Denn so kann man, behauptet er, ein gutes Leben führen. In seinem Vortrag ging er auch auf die Broaden-and-build-Theorie ein, die besagt, dass positive Emotionen den Blickwinkel vergrößern und uns empfänglicher für neue Ideen machen. Weiterer Bestandteil seines Vortrages waren Mikrointeraktionen, sprich jede noch so kleine Interaktion, die wir mit unseren Mitmenschen haben. Je nachdem wie diese Interaktion verläuft, kann sie uns positiv aufladen oder uns die Energie entziehen. Diese Energie wird dann von Mensch zu Mensch übertragen. Die schlechte Laune des Chefs kann somit auch den Kunden erreichen. Positive Emotionen seien daher vor Allem bei Führungskräften wichtig, da diese einen stärkeren Einfluss auf ihre Mitmenschen haben. Sein Fazit deshalb, scherzhaft und dennoch ernst gemeint: “Katzenvideos sind wichtig fürs Führungsmanagement”. 

The interface becomes the brand. Trends in der Kreativbranche.

Da sich die Kreativbranche stets in einem Wandel befindet, müssen Designer heutzutage schon an Technologien denken, die es noch gar nicht gibt. Jochen Rädeker, Gründer von Strichpunkt, ist der Auffassung, dass trotz komplexer werdenden Technologien, oder gerade deswegen, das Design immer einfacher wird. Durch neue Technologien ist er sich außerdem sicher: Beim Thema Corporate Identity reichen Farbe und Schriften lange nicht mehr aus. Er behauptet, dass das User Interface jetzt einen viel stärkeren Einfluss auf das Markenerleben hat. Dazu gehören Icons und Buttonzustände, aber auch Gestensteuerung und Animationen. Anders als früher, ist ein CI-Guide immer beta und wird stets weiterentwickelt. Entgegen der Meinung von Dr. Frank Berzbach, findet Jochen Rädeker jedoch, dass Kreativität erst in einem bunt gemischten Team ihren Höhepunkt erreicht. Dieser Vortrag hatte so viel Inhalt, dass sich dieser schwer in wenige Worte fassen lässt.

Sind Tekkies die neuen Kreativen?

Nikolai Bockholt, Creative Technologist bei Google, behauptet, dass Tekkies die neuen Kreativen sind. Dabei legt er sehr viel Wert auf Prototyping, womit Ideen schnell getestet und wieder in die Tonne geworfen werden können, falls sie sich nicht behaupten. Tekkies und Maker sind in der Lage, noch komplexere Prototypen zu bauen, und somit alle möglichen Ideen auszutesten. Doch wie wird man zu einem Maker? Er hält folgende Kriterien fest: neugierig sein, sich austoben, Grenzen austesten, sich im Internet informieren, träumen, Gedanken in die Tat umsetzen und verbreiten. Doch sind Tekkies nun die neuen Kreativen? Diese Frage wurde nicht eindeutig beantwortet. Man kann aber auf jeden Fall sagen, dass sie zu den Kreativen dazu gehören.

Panel “Wie sexy ist die Kreativbranche?”

Was macht die Kreativbranche attraktiv und wieso hat sie es zurzeit so schwer? Diese Frage diskutierten Anne-Sophie Pahl (youvo.org), Pamela Taylor (Bertelsmann), Sabine Georg (Google) und Caroline Fritz (Strichpunkt) miteinander. Dabei wurden unterschiedliche Themen, wie der Frauenanteil, die Agenturkultur und die Bedeutsamkeit der Arbeit angesprochen. Das Panel hatte jedoch keinen so großen Informationsgehalt, wie die Impulse zuvor. Dennoch waren sie eine nette Zusammenfassung der gesamten Konferenz und warfen im Laufe noch einen wichtigen Gedanken in den Raum: Jeder muss selber definieren, was Kreativität für einen selbst bedeutet, wie man sie erreichen kann und was sie einem letztendlich Wert ist.